Cassian Maria SPIRIDON



Nach Rilke

wer schießt auf mich
schießt auf meine zukünftige Lage
          und auf meine gewesene Lage
wer lacht
           lacht mit mir
           und im ganzen gegen mich
wer schneidet den Bart mit dem Rasiermesser
           schneidet mein Fleisch
                      und ich freue mich.


Film

er und sie treffen sich / eines Abends
irgendwo an einem fremdartigen Ort
er und sie endlich kennen sie sich
er schön / wirklich / mit Problemen
sie schön / ungefähr Vamp / normal
so wie man es verlangt
er und sie bald lieben sie sich
der Film folgt seiner Handlung
sie lieben sich weiter
sie geht so / ohne Ankündigung
er bleibt schön / mit Problemen
sie ist gegangen / versteht man / mit einem anderen
er hat versucht sich das Leben zu nehmen
sie ist zurückgekommen erschrocken
aber nicht ganz
und so weiter
auf der Leinwand spielt
diese ganze Geschichte
die wir alle schon kennen.


Kurzes Gedicht

In den obersten Stockwerken der Geisteskrankheit
verschlossen in schwarzen Schachteln
verbergen sich viele denkwürdige Daten
einige geheimnisvoll / andere unwichtig
eine Träne durchbohrt die Schachtel
die Seele reinigt sich für tausend Jahre
die Mirabellenbäume schütteln ihre Blüten
auch in dieselbe Kindheit
in den obersten Stockwerken der Geisteskrankheit...

* * *

während ich dieses Gedicht schreibe
in verlassenen Gärten
ohne Vögel und Wind
beiße ich in einen Apfel

das Gedicht fließt auf das Blatt
wie deine Blicke
in welchen ein schwarzer
unscharfer Fleck ist

ich führe ein Spottleben
in den zwei Hälften meines Hirns
findet man den ganzen Schmerz und die Schlacke
und du bist fortgegangen von hier

ich schreibe das Gedicht mit einem Apfel
von dem meine Zähne abbeißen.

   Übersetzung: Mircea M. POP und Joachim SCHWIETZKE

* * *

hochglanzflügel/ entführt wirst du
über weltmeere aus licht und gelwoge
eingefangen in eine arabeskenwelt

es gibt da ein fenster, worte flattern darin
wir sehen darin auch die zukunft und
sind überwältigt von fliegenden worten
aufezählten/ von emsigen händen
verschoben
um die abründe aufzufüllen
zwischen mir und dir
Übersetzung: Horst FASSEL
 
Nichts wühlt so auf wie das Leben

wann kommt das Ende/ frägst du dich
wie wird es wohl aussehen?
es ist ein blindes Schmerz
wer dich zerlegt
ist der Mond
du hörst wie eine Seele
nach der anderen auf ihn wie
ein Regen fällt
und du fängst erst jetzt an mich zu lieben
wenn alles verloren ist
jetzt suchst du mich
in Toten und Zufälle getrennt
durch ätzendes Wasser der Zeit
wir leben jetzt in einer Zeit mit toten Flügel
Sdäte und Berge sind zerbröckelt
in der Morgenröte/ wie immer
das einzige Gestirn leuchten
gleichgültig gegenüber der Freude und Traurigkeit
die den Planeten stürmen
wie ein Meer/ das vom Sturm unberührt bleibt
und das Salz/ sammelt sich ruhig in der Tiefe

nichts wühlt so auf wie das Leben

Traducere de Magdalena CONSTANTINESCU SCHLESAK
                    

I Know The Pain Minutely

though /of all the well-known diseases/I suffer from none
I know the pain minutely
it’s often called on me /
stuck to my brain / between the synapses
still picture
as if against the cinema screen in a village

I look at a hand /with its swollen veins
resting its inner pains
I feel some sort of fatigue / coming from primordia

Though I am inclined towards loneliness
death is more and more persistent
it knocks at my window panes /at my doors /
it would like to come/
into the attic / to belong to me

a hand / with caressing fingers
 spots my face invisibly / tries to touch its outline /
gives me life
 

    The Leaf Of My Palms

my life melts away in alcoholic drinks
I wish I were no more /

o! you white bones and chests of absinth
whom / does love leave
    under the apricot trees in blossom
and whose wings does it cut off

as long as the quiet springs /opalescent
fail to dry up
and between your breasts I rest
my sick brain /
overloaded with the waters of oblivion
you / the leaf of the palms / lay it
    over my forehead

 my shoulders hurt / for my endless burden
for the rain that falls and no longer loves us
for the grayish winds
    that beat against my heart’s gate
with the pierced hand

I am tired / my brain is made of glass
through it penetrates
the night
        /falling to the ground /

        

The Skin of the Soul

the leaf stands motionless
when the acorns in the skies
    ply with shells

the sun / stuck
/ in the kindness of ill omen /
follows close behind us

stormy/ as a nightmare
the days come
when the women will shed tears
upon our shoulders/ sobbing mournfully

I find myself full of smoke
like the falling star / that all in flames
        falls down into the water of the deep

who can love me
except for the black dogs
/ come out as if after the rain/
with their long-haired fur all wet
and glowing teeth / of beast

the time / is not over
for them to tear to pieces
the skin of my soul
so that I can poultice with the rags
all the kind-hearted people
 

    Among So Many Boundary Marks  

there are horizons / stained with blood
    struck by wilderness
there the gall and the grief
    wait for me

your eyes are loaded
with hard loneliness
your despair appears
    on the cross of your breast

whom can life understand
when you go away in tears / the doors
    – as if the Church doors
mounted in woe
my keys that are of grass
     unlock the depths

what future can the morning have
and what is eternity / when just like Eurydice
you came back
left / among so many boundary marks/
overwhelmed by the shades
when my brow kept resting
    on such a refreshing knee

(from Cassian Maria Spiridon,  Nimic Nu Tulbură Ca Viata,
Editura Dacia, Cluj-Napoca, 2004.)

Traduceri de Olimpia Iacob
  


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